Das sind die 20 besten queeren Charaktere auf Netflix, von Heartstopper bis Sense8

Queere Charaktere galten früher als Karriere-Killer für Schauspieler*innen, sie waren traurige Gestalten, Bösewichte oder Witzfiguren. Das hat sich verändert: Heute lachen wir nicht mehr über sie, sondern mit ihnen. Queere Charaktere werden glücklich, sind schlau und stark, werden Held*innen.

Es gibt heute mehr queere Charaktere in Filmen und Serien als jemals zuvor. Das zeigt eine Studie von GLAAD. Sie sind aus unseren Lieblingsserien heute nicht mehr wegzudenken. Zur Pride-Saison haben wir die 20 besten queeren Charaktere auf Netflix zusammengesucht.

Sophia Burset in Orange is the New Black

Egal, welche Unmenschlichkeiten das Gefängnis ihr antut: Sophia Burset lässt sich ihre Würde nicht nehmen. Die trans Frau ist eine der stärksten Figuren im ohnehin sehr starken Ensemble-Cast von Orange is the New Blackder mehrfach ausgezeichneten Dramaserie über ein Frauengefängnis. Sophias Darstellerin ist sogar noch beeindruckender als ihre Figur: Laverne Cox war der erste transgeschlechtliche Mensch auf dem Cover des TIME Magazine, mit der Titelgeschichte „The Transgender Tipping Point“.

Joe und Nicky in The Old Guard

In Filmen gibt es ein Muster: „Bury your gays“. Gemeint ist: LGBTQ+-Charaktere sterben in Filmen und Serien deutlich häufiger als heterosexuelle Figuren. Der Action-Film The Old Guard bietet das Gegenteil: ein unsterbliches schwules Paar. Und noch dazu ein glückliches: Joe (Marwan Kenzari) und Nicky (Luca Marinelli) sind seit fast einem Jahrhundert verliebt. Und an Romantik kaum zu überbieten, wie dieser Monolog von Joe zeigt:

Rosa Diaz und Captain Raymond Holt in Brooklyn Nine-Nine

Mit Captain Raymond Holt (Andre Braugher) hatte die Sitcom Brooklyn Nine-Nine schon einen fantastischen queeren Charakter: Einen Police Captain, bei dem die Tatsache, dass er homosexuell ist, nur eine von vielen Facetten seines Charakters ist. Dann kam das Coming-Out von Detektivin Rosa Diaz (Stephanie Beatriz). Und mit ihr eine der besten Darstellungen von Bisexualität in der TV Geschichte: von den schmerzhaften Diskussionen zwischen Rosa und ihren Eltern zu den liebenswerten Versuchen von Kollegen wie Terry, sie zu verkuppeln und sich dabei möglichst bi-freundlich zu verhalten. Authentischer und zugleich witziger wurde Bisexualität selten repräsentiert.

Sol und Robert in Grace and Frankie

Sol (Sam Waterston) und Robert (Martin Sheen) lieben sich schon Jahrzehnte, als sie sich bei ihren Ehefrauen outen und ihnen die Scheidung ankündigen. Das ist die Prämisse von Grace and Frankie, und sie macht die schwulen Rentner nicht gerade zu Sympathieträgern. Doch lange ist man den beiden nicht böse, denn das Paar wird nur herzlicher und großzügiger, jetzt wo es keine geheime Affäre mehr gibt. In den sieben Staffeln der Comedy-Serie wachsen Sol und Robert uns ans Herz und werden zu einem liebevollen Wunschbild von schwulen Beziehungen im Alter.

Nomi in Sense8

Nomi Marks ist eine brillante Hackerin und politische Bloggerin, sie spricht sieben Sprachen, und ist glücklich mit ihrer Partnerin Amanita zusammen. Und sie ist eine trans Frau, gespielt von einer trans Frau (Jamie Clayton) und geschrieben von zwei trans Frauen, den Wachowski-Schwestern (bekannt für u.a. Matrix).

Das Schönste an Nomi und den anderen queeren Charakteren in der Serie Sense8 ist: Ja, sie sind queer; sie erzählen authentische, berührende Geschichten darüber, wie es wirklich ist, queer zu sein – aber sie werden nie darauf reduziert. Sie sind facettenreiche Charaktere, die eine ungewöhnliche Geschichte erleben: In Sense8 geht es um acht Menschen, die in unterschiedlichen Städten in aller Welt leben und nach einer gewaltsamen Vision mental miteinander verbunden sind.

Jesper und Wylan in Shadow & Bone

Fantasy-Welten kopieren oft die sozialen Strukturen des echten Mittelalters: Frauen werden unterdrückt, ein König herrscht über Untertanen und queere Charaktere werden verfolgt (wenn sie denn überhaupt eine Rolle spielen). Magie, Monster, Drachen, all das ist vorstellbar – aber eine Welt ohne Sexismus oder Homophobie? Das ist wohl zu viel der Fantasie. Nicht so in Shadow & Bone. In der Welt der Fantasy-Serie gibt es zahlreiche queere Charaktere und Paare. Wie den spielsüchtigen Schützen Jesper und den Sprengstoffexperten Wylan. Im Vergleich zu den heterosexuellen Paaren führen die beiden sogar die gesündeste Beziehung der ganzen Serie. Und niemand findet es auch nur erwähnenswert, dass sie zwei Männer sind.

Viktor Hargreeves (Number 7) in Umbrella Academy 

Als Schauspieler Elliot Page sich 2020 als transgender outet, stellt das die Drehbuchautor*innen von Umbrella Academy vor eine kleine Herausforderung. Denn die dritte Staffel der Serie wird bald gedreht – und Page spielte darin Vanya, eine Superheldin. Muss der trans Mann für die Rolle jetzt in Perücke und Kleid gesteckt werden? Nein, denn Akzeptanz geht so einfach wie: „Ich liebe den Haarschnitt.“ In einer liebevollen, fast beiläufigen Szene im Friseursalon wird aus Vanya jetzt Viktor. Und Viktors Geschwister akzeptieren seine Transition mit einer Selbstverständlichkeit, die bis heute bewegt.

Charlie und Nick in Heartstopper

Händchenhalten, Doppel-Dates mit Milchshakes und wenn sich Charlie (Joe Locke) und Nick (Kit Connor) zufällig berühren, flimmern Cartoon-Blitze über den Bildschirm: Heartstopper erzählt von einer zarten ersten Liebe zwischen zwei Jungen. Der Ton ist leicht, Charlies Freund*innenkreis divers und herzlich, die Eltern (u.a. gespielt von Olivia Colman) verständnisvoll. Homophobie wird thematisiert, aber die Figuren sind liebenswert und erstaunlich facettenreich für eine Teenie-Romanzen-Geschichte. Heartstopper fühlt sich an wie die Umarmung eines guten Freundes. Staffel 2 erscheint am 3. August 2023, eine dritte ist bereits bestellt.

Robin in Stranger Things

Eigentlich hatten die Stranger-Things-Schöpfer vor, aus den beiden Teenagern Robin und Steve Harrington ein Paar zu machen. Es ist Robins Darstellerin Maya Hawke zu verdanken, dass daraus nichts wurde: Dank ihrer Idee ist Robin lesbisch – und Stranger Things hat eine der schönsten Coming-out-Szenen der Seriengeschichte. Als Robin sich vor Steve outet, ist er kurz so überrascht, dass er gar nichts sagt – und kritisiert dann erst mal ihren Frauengeschmack. Die pure Erleichterung darüber, wie cool Steve reagiert, und seine witzige Muppet-Gesangseinlage sind die Grundlage für eine tiefe, rein platonische Freundschaft zwischen den beiden.

Casey in Atypical

Casey ist zwar drei Jahre jünger als ihr autistischer Bruder Sam, aber füllt für ihn eher die Rolle einer großen Schwester. Atypical beschreibt Sams Suche nach Unabhängigkeit. Doch die Coming-of-Age Serie bringt auch den Rest der Familie auf den Weg zur Selbstfindung. Casey lernt für sich und ihre Bedürfnisse einzustehen, verliebt sich in Izzie – und outet sich in der vierten Staffel als bisexuell. Im BUILD Series Interview erklärt Brigette Lundy-Paine, die Schauspielerin von Casey: „Ich habe das Gefühl, dass ich noch nie so eine Rolle gesehen hatte: ein 16-jähriges Mädchen, das stark ist und weiß, wer sie ist.“

Omar in Élite

Das spanische High-School-Drama Élite hat in den sechs Staffeln schon viele queere Charaktere eingeführt, aber Omar (gespielt von Omar Ayuso) ist das Original. In der ersten Staffel kämpft er mit den konservativen, muslimischen Werten seiner Familie, die seine Identität verbieten. Er versteckt sich und seine Homosexualität, doch als er sich in Ander (Arón Piper) verliebt, fängt er an offener und glücklicher zu leben – wenn auch noch mit viel Drama, wie’s sich an der Élite Schule gehört.

Mae in Feel Good

Das Comedy-Drama Feel Good über die Sucht von Stand-Up Comedian Mae Martin lässt die Grenzen zwischen Wahrheit und Fiktion verschwimmen, balanciert zwischen Schubladen und Kategorien wie sonst wenige Geschichten. Die Serie spiegelt auch die Entwicklung von Maes Geschlechtsidentität wider. Unterstützt von Freundin George (Charlotte Ritchie) erkundet Mae, was es heißt, non-binary, non-conforming oder transgender zu sein. Mae Martin selbst hat sich 2021 als non-binary geoutet und ist damit eine*r der ersten nicht-binären Hauptdarsteller*innen auf Netflix.

Payton Hobart in The Politician

Payton Hobart hat ein klares Ziel: Er will Präsident der Vereinigten Staaten werden. Doch zunächst muss er eine größere diplomatische Krise meistern: die Highschool. The Politician ist eine Comedy-Serie des legendären schwulen Produzenten Ryan Murphy (u.a. DAHMER, Glee, Hollywood). Die Hauptrolle des offen homosexuellen Überfliegers spielt Musical-Darsteller Ben Platt. Doch das Highlight der Serie ist nicht seine grandiose Performance von Vienna von Billy Joel, sondern: Die liebevoll problematische Beziehung von Payton und seiner Mutter, gespielt von Gwyneth Paltrow.

Desire in The Sandman

„Ich bin es, Desire“, flüstert die Lust, eine der sieben Ewigen im Universum von The Sandman. Desire wird gespielt von Mason Alexander Park, und besser hätte das Casting nicht sein können. Park verkörpert die gender-fluide, nicht-binäre, sprunghafte Lust in jeder Nuance. Und mit dem Casting hatte die Serienproduktion ganz schön Glück. Denn Park bekam die Rolle nur durch einen Tweet an Neil Gaiman, den Autor der Comicbuch-Vorlage.

Korra in Avatar: Die Legende von Korra

Die Fortsetzung von Avatar - Der Herr der Elemente hat viel verändert, und nicht nur für die Welt der Bändiger der Elemente. Die Legende von Korra war eine der ersten animierten Serien, die Diversität im Genre zeigte. Fans der Serie wollten Avatar Korra und ihre Mitstreiterin Asami schon lange verkuppeln, sie waren das Tumblr-OTP. Doch als die Macher der Serie, Michael Dante DiMartino und Bryan Konietzko, die beiden als Paar bestätigten, waren trotzdem alle überrascht. Im Serienfinale 2014 gingen Korra und Asami zwar nicht händchenhaltend in den Sonnenuntergang, aber dafür in die Geisterwelt.

Netflixwoche Redaktion