Vom brutalen Vater bis zur Feindschaft mit Stallone: Fünf überraschende Einblicke aus der Doku über Arnold Schwarzenegger

Was der Mann in seinem Leben angepackt hat, wurde zu Gold: Als Bodybuilder erreichte Arnold Schwarzenegger alles, was man im Muskelbusiness erreichen kann – vom Mr. Universum bis zum Mr. Olympia. Als Politiker wurde er 2003 Gouverneur des US-Bundesstaates Kalifornien und blieb es nach seiner Wiederwahl für acht Jahre. Und als Schauspieler startete er zwar in Rollen, für die ein Muskelmann gebraucht wurde, der nicht allzu viel Text hatte. Im karriereprägenden ersten Teil von Terminator spricht Schwarzenegger als Cyborg gerade einmal rund 70 Wörter. Mittlerweile aber ist er aus Hollywoods erster Liga kaum wegzudenken. Kürzlich ist die Action-Comedy-Serie FUBAR mit ihm in seiner ersten Serien-Hauptrolle gestartet.

Doch wer Arnold Schwarzeneggers Erfolg auf Glück, Muckis und seinen charmanten österreichischen Akzent schiebt, wird ihm nicht gerecht. In der Dokumentation Arnold sagt er einen Satz, der als Mantra über seinem Lebenswerk stehen könnte: „Was auch immer nötig ist, reiß‘ dir den Hintern auf.“

In der dreiteiligen Doku spricht der 75-Jährige aber nicht nur über seinen Weg nach oben. Es geht auch um die düsteren Phasen seines Lebens, um Familie, Betrug, Verletzungen und Schmerz. Schwarzenegger über …

… seinen Vater

Seine Kindheit, sagt Schwarzenegger, sei vor allem geprägt gewesen durch Misshandlungen und Terror durch seinen Vater. Gustav Schwarzenegger sei nicht nur als Chef der örtlichen Bezirkspolizei ein wahrer „Tyrann“ gewesen. Disziplin habe er seinen Söhnen wortwörtlich mit dem Gürtel eingeprügelt. „Es gab viel Brutalität zu Hause“, sagt Schwarzenegger.

Arnold Schwarzenegger in seiner neuen Netflix-Doku Arnold.

Ein Gefühl von Sicherheit existierte für Schwarzenegger und seinen Bruder Meinhard in der heimischen Wohnung offenbar nie. Sein Vater sei regelmäßig betrunken nach Hause gekommen. „Um drei Uhr morgens schrie er und wir wachten mit klopfendem Herzen auf, weil wir wussten, was das bedeutete“, so der heute 75-Jährige.

Sein Vater habe nach dem Zweiten Weltkrieg an einer posttraumatischen Belastungsstörung und wohl auch an Depressionen gelitten. „Österreich war ein Land gebrochener Menschen. Es gab Zeiten, in denen unser Vater das nicht ertragen konnte.“ Gustav Schwarzenegger war während der NS-Zeit Mitglied der NSDAP sowie der SA. Im Krieg kämpfte er unter anderem an der Ostfront und wurde dort verwundet.

Die Weltkarriere seines Sohnes erlebte Gustav Schwarzenegger nicht mehr. Er starb 1972 infolge eines Schlaganfalls.

… seinen jung verstorbenen Bruder

Ende 1968 wanderte Arnold Schwarzenegger in die USA aus. „Je älter ich wurde und je mehr ich über die Welt außerhalb Österreichs las, desto mehr hatte ich das Gefühl, nicht am richtigen Ort zu sein“, sagt er in der Doku. Den frühen Tod seines Bruders Meinhard musste er aus der Ferne erleben.

„Zu meinem Bruder hatte ich ein sehr gutes Verhältnis. Wir waren aber auch Konkurrenten“, sagt der Hollywood-Star. „Er war ein Jahr älter, muskulöser und sehr gut in der Schule.“ Vater Gustav schürte die Konkurrenz zwischen den Söhnen und ließ sie ständig gegeneinander antreten: Wer kann schneller laufen? Und wer pflückt die schöneren Blumen zum Muttertag? „Wir standen immer im Wettbewerb, selbst bei banalen Dingen“, erzählt Schwarzenegger in Arnold.

Die brutale Erziehung, auf die Arnold schließlich mit Flucht in die USA reagierte, führte seinen Bruder in die Alkoholsucht. Meinhard kam 1971 bei einem Autounfall ums Leben. „Er ist betrunken gegen einen Telefonmast gerast“, erzählt Schwarzenegger. „Ich war wie betäubt. Das, was mich zu dem gemacht hat, was ich heute bin, hat meinen Bruder zerstört“, meint der Schauspieler. Das Grab seines Bruders in Kitzbühel besucht er regelmäßig.

Schwarzenegger fährt heute noch nach Kitzbühl.

… sein außereheliches Kind

In der Dokumentation spricht Schwarzenegger auch über den schlimmsten Fehler seines Lebens. Während der Ehe mit Maria Shriver hatte er ein Kind mit der Haushälterin des Paares gezeugt – und dessen Existenz jahrelang verheimlicht.

Shriver habe ihn in einer Paartherapie-Sitzung direkt darauf angesprochen. „Ich dachte, mein Herz bleibt stehen. Und dann habe ich die Wahrheit gesagt“, sagt Schwarzenegger. Die Affäre sei sein größter Fehler gewesen. Er habe seiner Familie viel Kummer bereitet und das werde ihn bis ans Ende seines Lebens begleiten.

Im Gegensatz zu vielen anderen Weggefährt*innen kommt Shriver in der Dokumentation nicht zu Wort. Mit der Nichte des früheren US-Präsidenten John F. Kennedy war Schwarzenegger mehr als 25 Jahre verheiratet. Sie haben vier gemeinsame Kinder.

Zeit mit der Familie: Schwarzenegger und seine Tochter Christina.

… Vorwürfe sexueller Belästigung gegen ihn

Als Schwarzenegger 2003 im Wahlkampf um den Gouverneursposten in Kalifornien steckte, wurden schwere Vorwürfe publik. In einem Bericht der Los Angeles Times warfen sechs Frauen dem angehenden Politiker vor, sie sexuell belästigt zu haben. Die Vorwürfe gingen bis ins Jahr 1975 zurück.

Nach dem Bericht der LA Times räumte Schwarzenegger zögerlich und unter öffentlichem Druck ein, sich in der Vergangenheit „schlecht benommen“ zu haben und während der Dreharbeiten an „wilden Sets“ Dinge gemacht habe, die nicht richtig gewesen seien. Er habe sie als „spielerisch“ betrachtet, wiegelte er ab.

20 Jahre später findet der Schauspieler klarere Worte für sein Verhalten. „Jetzt erkenne ich, dass ich die Leute beleidigt habe. Ich möchte ihnen sagen, dass mir das zutiefst leid tut.“

Auf dem Weg der klaren Worte: Schwarzenegger auf dem Rad.

Seine anfängliche Reaktion wolle er nun zurückziehen. „Heute kann ich mir das ansehen und sagen, dass es egal ist, welche Zeit es ist. Ob es die Muscle Beach-Tage von vor 40 Jahren sind oder heute: Das war falsch. Es war Blödsinn“, so Schwarzenegger. „Vergessen Sie alle Ausreden, es war falsch.“

… Konkurrenz mit Sylvester Stallone

 Rambo gegen den Terminator, Rocky gegen Conan: Die Feindschaft zwischen Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger steigerte sich vor rund 40 Jahren von Film zu Film. Schwarzenegger sagt, dass „Sly mir in den 80er Jahren voraus war“, und er es als seine Aufgabe sah, mit ihm Schritt zu halten. „Jedes Mal, wenn er mit einem Film herauskam, wie Rambo II, musste ich einen Weg finden, ihn zu übertreffen.“

 „Wir waren unglaublich verfeindet“, sagt Stallone in Arnold. „Wir konnten es nicht einmal ertragen, im selben Raum zu sein.“ Schwarzenegger stimmt zu: „Wir wetteiferten um alles: Wer ist bösartiger, wer ist härter, wer benutzt größere Messer, wer die größeren Waffen.“

Rambo gegen den Terminator: Sylvester Stallone spricht über Schwarzenegger.

Stallone räumt schließlich ein, dass Arnie der bessere Schauspieler sei. „Er wollte die Nummer eins sein“, sagt Stallone. „Leider hat er es geschafft.“ Schwarzenegger meint, dass ihr jahrzehntelanger Streit ihn dazu gebracht habe, härter an sich und seinen Projekten zu arbeiten. „Ohne Stallone wäre ich in den 80er Jahren vielleicht nicht so motiviert gewesen, die Art von Filmen zu machen, die ich gemacht habe, oder so hart zu arbeiten, wie ich es getan habe.“

Und ein Happy End hatte die Sache auch: Inzwischen sind Schwarzenegger und Stallone nicht nur privat Freunde. Sie haben ihre Action-Kräfte auch schon diverse Male im Kino gebündelt. In der The Expendables-Reihe und in Escape Plan standen sie gemeinsam vor der Kamera.

Netflixwoche Redaktion