The Perfect Find, Süße Magnolien und Co.: Wie sich Frauen in den 40ern auf Netflix finden

Ein neuer Job, eine neue Beziehung, ein Tritt von Mama: Auf Netflix zeigen einige Serien und Filme, wie sich Frauen in den 40ern finden – produziert von Frauen ab 40.

Jenna (Gabrielle Union) war schon It-Girl, ehe es den Begriff überhaupt gab: Als Moderedakteurin galt sie vor dem Laufsteg als gefährlich, mit ihrem Freund Brian (D.B. Woodside) als das aufstrebendste Paar News Yorks. Doch als sie gefeuert und von Brian verlassen wird, gibt es schlechte Zeitungsberichte über sie. Jetzt liegt die 40-jährige Jenna in ihrem ehemaligen Kinderzimmer bei den Eltern. It-Girl? Dahin will sie nicht zurück. Oder?

Mit dieser Szene beginnt der neue Netflix-Film The Perfect FindIm Mittelpunkt der RomCom steht aber nicht nur Jennas Fall – sondern auch ihre Auferstehung: Raus aus dem alten Kinderzimmer, dem schmutzigen Schlafanzug und Schluss mit  Trübsalblasen. Rein in einen neuen Job, in eine neue Wohnung. Was ihr geholfen hat? Mama, die sie rausgeworfen hat – und natürlich eine neue Liebe: Eric (gespielt von Keith Powers), 20 Jahre jünger und voller Lebenslust. Doch es ist nicht so leicht, wie es klingt. Denn Jenna macht sich weiterhin viel zu viele Gedanken über ihr Leben und die Vorurteile der Gesellschaft nerven: Eine Frau mit einem jüngeren Mann? Das geht gar nicht!

Es gibt eine Welt jenseits der 20er und 30er

Frauen mittleren Alters wurden in Filmen und Serien, lange nicht beachtet – oder wenn, nur von jüngeren Darstellerinnen verkörpert. In den letzten Jahren hat sich das aber zum Glück geändert. Allein auf Netflix sind immer mehr Serien und Filme erschienen, in denen es um das Leben, die Probleme, Hoffnungen und Pläne von von Frauen Ü40 geht und die auch von Schauspielerinnen im gleichen Alter verkörpert werden. Denn – Überraschung: Es gibt auch für Frauen eine Welt jenseits der 20er und 30er. Und ja, die hat genauso viel Coming-of-Age-, Romantik-, und Dramapotenzial wie jede Teenie-Serie.

Die Dramaserie Immer für dich da ist ein Beispiel. Darin geht es um die 42-jährige Moderatorin Tully (gespielt von Katherine Heigl) und die 44-jährige Hausfrau Kate (Sarah Chalke). Ihre Leben könnten nicht unterschiedlich sein und dennoch stehen beide am Scheideweg von Freundschaft, Liebe, Karriere. Das Falten der Wäsche spielt eine Rolle wie die Falten im Gesicht. Das eine sollen sie können, das andere vermeiden. Gleichzeitig versuchen Tully und Kate, aus ihrem bisherigen Leben zu entfliehen, das sie als ein zu enges Korsett empfinden. Wie? Miteinander natürlich und dem Mut, Dinge einfach mal anders zu machen. Etwa ohne Mann ein Kind aufzuziehen oder sich auf eine herausfordernde Arbeitsstelle bewerben, bei der eigentlich jüngere gefragt sind.

Frauen produzieren Geschichten für Frauen

Die Netflix-Serien Fuller HouseWorking Moms und Süße Magnolien widmen sich auf unterschiedliche Weise ähnlichen Themen: Freundinnen oder Schwestern kämpfen mit Trennung, Erziehung und Job. Das erinnert an TV-Klassiker wie Desperate Housewives. Doch waren damals in den ersten Folgen die Figuren sowie die Darstellerinnen längst nicht so alt, mutig und divers.

Symptomatisch sind es meist Frauen, die solche Produktionen ermöglichen. Blickt man auf Filme wie Your Place Or Mine, findet sich sogar dieselbe Frau hinter und vor den Kulissen: Reese Witherspoon spielt die Hauptrollen und produziert den Film zugleich. Sie gehört damit zu einer Riege von Frauen, die mit Anfang 20 noch typische Frauenklischeerollen spielten und nun im Film- und Serienbusiness mitmischen und andere Töne und Themen anschlagen. Charlize Theron (Mindhunter) und Jennifer Lopez (The Mother) sind hier ebenfalls zu nennen. Genauso wie Shonda Rhimes die mit How To Get Away With Murder und Bridgerton/Queen Charlotte längst zu den gefragtesten Serienmacher*innen gehört.

Den Weg dorthin haben auch die Diskussionen um Vielfalt und eine Frauenquote im Film- und Fernsehen geebnet. Auch in Folge  der #MeToo-Bewegung haben sich allmählich Strukturen und Sichtweisen geändert. Doch am Ziel sind die Frauen um 40+ längst noch nicht. Denn dafür gibt es noch zu viele gute Geschichten zu erzählen.

Netflixwoche Redaktion