Marlene Tanczik im Gespräch über Paradise, das Altern und verkaufte Lebenszeit

Lebenszeit gegen Geld: In nicht allzu ferner Zukunft hat eine Methode zur Übertragung der Lebenszeit von einer Person auf eine andere die Welt für immer verändert.

Elena (Marlene Tanzcik) hat sich auf diesen Tausch eingelassen. Sie dachte, ihr bleibt genug Zeit, um ihre Schulden zu begleichen – doch als ihre Lebenszeit plötzlich eingefordert wird, verliert Elena 40 Jahre. Ihr Partner Max (Kostja Ullmann) versucht alles, um Elenas verlorene Jahre zurückzuholen. Doch nichts wird je wieder so sein, wie es war.

Das ist die Geschichte von Paradise, einem neuen Near-Future-Thriller aus Deutschland. Der Film erscheint am 27. Juli 2023 auf Netflix. Vorab hat Netflixwoche auf dem Filmfest in München Marlene Tanzcik getroffen und sie gefragt, für was sie bereit wäre, Jahre ihres Lebens zu verkaufen.

Netflixwoche: Können Sie sich vorstellen, jemals Lebenszeit zu kaufen?

Marlene Tanczik: Ehrlich gesagt nein. Jedenfalls nicht, wenn es so funktionieren würde, wie im Film. Da müssen andere Menschen ja ihre Lebenszeit hergeben. Da versuche ich lieber, aus meiner Zeit das Beste zu machen!

Können Sie sich andersherum vorstellen, Lebenszeit zu verkaufen?

Erfüllte Lebenszeit ist für mich das Kostbarste, was wir besitzen. Aber ich kann mir extreme Notsituationen vorstellen, in denen ich darüber nachdenken würde. Damit meine ich nicht, um eine neue Wohnung zu finanzieren, wie meine Figur es im Film macht. Eher, wenn es zum Beispiel um die Gesundheit der Menschen geht, die mir am nächsten stehen.

Ihre Figur, Elena, wird dazu gezwungen, 40 Jahre ihres Lebens herzugeben. Damit wird sie über Nacht zur alten Frau. Was bedeutet das für sie? 

Elena und Max wollten eine Familie gründen und zusammen alt werden. Dadurch, dass Elena auf einen Schlag 40 Jahre abgeben muss, wird ihnen diese Zukunft geraubt. Elenas Träume und Wünsche werden zerstört und sie sieht sich plötzlich mit einem ganz anderen Leben konfrontiert.

Wie gelang im Film Elenas plötzliche Transformation?

Es gibt zwei Versionen von Elena. Ich spiele die jüngere, Corinna Kirchhoff die ältere. Aber der Alterungsprozess findet im Film nicht schlagartig statt. Es ist ein fließender Übergang und braucht ein paar Tage. Für den Zwischenstand saß ich dann circa fünf Stunden in der Maske.

Wie fühlte sich dieses Altern im Zeitraffer an? 

Tatsächlich war dieser Drehtag ein bisschen absurd für mich, aber auch super spannend!  Ich hatte an dem Tag Geburtstag. Eigentlich bin ich also nur ein Jahr älter geworden. Aber im Spiegel sah ich aus, als wären es 20 oder 30. Auch meine Hände wurden geschminkt, was mir wirklich das Gefühl gab, in einem fremden Körper zu stecken. Das hat beim Spielen natürlich auch geholfen.

Im echten Leben können wir ja keine Lebenszeit dazu kaufen. Was können Sie empfehlen, um die Zeit, die wir haben, besser zu nutzen?

Toll wäre es natürlich, wenn man aufhören könnte, sich über Kleinigkeiten den Kopf zu zerbrechen. Und stattdessen anfangen würde, mutige Entscheidungen zu treffen und das zu sehen was einem wirklich wichtig ist. Das fängt vielleicht schon damit an, alltägliche Muster hin und wieder aufzubrechen. Ich versuche zum Beispiel, Wege, die ich jeden Tag laufe, anders zu erfassen. Als wären sie neu und fremd. Ich nehme die Menschen, die mir begegnen, bewusst wahr. Und beobachte mit einem offenen Blick altbekannte Dinge.

Netflixwoche Redaktion