Die schockierendsten Dokus über Sekten: Wenn Männer sich für Gesandte Gottes halten

Wie gelingt es Sektenanführern, von ihren Mitgliedern bedingungslose Liebe, Gefolgschaft und Geld zu erhalten? Dieser Frage geht die neue Doku How to Become a Cult Leader nach – teils satirisch und in poppig-bunten Bildern und teils mit verstörender Klarheit.

Wer tiefer in das Thema einsteigen will, kann das in weiteren aufwühlenden Dokumentationen auf Netflix tun. Ein Blick auf die Männer – es sind ausschließlich Männer – die es mit perfiden Methoden geschafft haben, zahlreiche Menschen an sich zu binden:

Sei lieb – bete und gehorche

Es geht um Macht, es geht um geistigen und körperlichen Missbrauch – und es geht um den Mann im Zentrum von allem: Sei lieb – bete und gehorche bietet einen schockierenden Einblick in die polygame Sekte der Fundamentalistischen Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Im Mittelpunkt steht der Aufstieg des selbsternannten Propheten Warren Jeffs. Er scharte zu Beginn des Jahrtausends, nachdem er die Führung der Sekte von seinem verstorbenen Vater übernommen hatte, im US-Bundesstaat Utah bis zu 10.000 Menschen um sich.

Sie alle folgten seinen Befehlen: Jeffs‘ Anhänger*innen sahen weg, als er anfing, Ehen mit minderjährigen Mädchen zu schließen und elterliche Rechte an der von ihm geleiteten Schule für nichtig zu erklären. Und sie überwiesen ihm auch dann noch Tausende Dollar pro Monat, als er bereits vor den Strafverfolgungsbehörden floh, die ihn wegen Kindesmissbrauchs verfolgten.

Colonia Dignidad: Eine deutsche Sekte in Chile

Wie Waren Jeffs sah sich auch der Deutsche Paul Schäfer als Gesandter Gottes auf Erden, dem seine Anhänger*innen bedingungslos zu folgen hatten. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Schäfer zunächst in Diensten verschiedener kirchlicher Organisationen. Nachdem herauskam, dass er minderjährige Jungen missbraucht hatte, wurde er entlassen, scharte für eine Weile als Laienprediger Menschen um sich und floh schließlich nach Chile, als er erneut der Vergewaltigung mehrerer Jungen bezichtigt wurde.

In Südamerika gründete Schäfer die Sekte Colonia Dignidad, in der er nicht nur über Jahrzehnte seinen sadistischen und pädophilen Neigungen hemmungslos nachging. Schäfer arbeitet auch eng mit dem Regime von Diktator Augusto Pinochet zusammen. Dessen Schergen verschleppten unliebsame Gegner auf das Colonia-Gelände, folterten und töteten dort.

Neben der Doku Colonia Dignidad: Eine deutsche Sekte in Chile gibt es auf Netflix auch noch einen Spielfilm zum Thema. In Colonia Dignidad tritt eine junge Frau (Emma Watson) der Sekte bei, um ihren Freund (Daniel Brühl) zu retten.

Waco: Amerikanische Apokalypse

Was Anfang 1993 nahe Waco, Texas geschah, ist auch rund 30 Jahre später kaum in Worte zu fassen. Die christliche Endzeit-Sekte Branch Davidians um ihren Anführer David Koresh hatte sich dort in ihrem Hauptquartier verbarrikadiert. Als die Behörden einen Durchsuchungsbefehl vollstrecken wollten – man vermutete massenweise Waffen auf dem Gelände – eröffneten die Sektenmitglieder das Feuer. Vier Ermittler und sechs Sektenmitglieder starben. Es folgte eine 51-tägige Belagerung der Anlage, an deren Ende die Behörden die Gebäude stürmten. Durch Schüsse und ein – wohl von den Belagerten gelegtes – Feuer starben 76 Sektenmitglieder, darunter viele Kinder.

Waco: Amerikanische Apokalypse zeichnet die unfassbaren Geschehnisse nach. Die Doku-Serie des gefeierten Filmemachers Tiller Russell (Night Stalker: Auf der Jagd nach einem Serienmörder) bietet exklusiven Zugang zu kürzlich entdeckten Videobändern, die in der Geiselverhandlungszentrale des FBI gefilmt wurden, sowie zu unbearbeitetem Filmmaterial, das nie zuvor an die Öffentlichkeit gelangt ist.

Wild Wild Country

Wenn ein indischer Guru und Tausende seiner Anhänger*innen auf ein verschlafenes 40-Menschen-Dorf im US-Bundesstaat Oregon treffen, sind Probleme unausweichlich. Dass diese aber bis zu Hass und Bewaffnung auf beiden Seiten anwachsen würden, war kaum absehbar, als die Gemeinschaft um Guru Bhagwan Shree Rajneesh zu Beginn der 80er Jahre in den USA ankam. Ebensowenig, dass auch innerhalb der Bhagwan-Bewegung bald Machtkämpfe und Intrigen entstehen sollten, die selbst vor dem zuvor als unfehlbar geltenden Guru nicht Halt machten.

Wild Wild Country erzählt die Geschichte einer wachsenden Gruppe von Menschen auf der Suche nach dem spirituellen Zentrum des Lebens. Und von Menschen, die Angst hatten, die Sinnsucher seien mit dem Teufel im Bunde. Beteiligte beider Seiten erzählen in der Dokumentation, die auf eine eigene Wertung verzichtet, ihre Version der Geschichte.

Netflixwoche Redaktion