Die größten Loser auf Netflix und warum wir sie trotzdem lieben

Held*innen und Gewinner*innen sind ja ganz nett. Aber auch etwas langweilig. Wer will schon die drölfte Meisterschaft in Folge von Bayern feiern?

Verlierertypen sind hingegen oft die viel faszinierenderen Charaktere. Sympathische Stehaufmännchen und echte Kämpfer*innen, die sich weder von der Boshaftigkeit der Welt im Allgemeinen noch vom eigenen Ungeschick im Besonderen unterkriegen lassen.

Deswegen folgt hier jetzt unsere absolut subjektive Top 7 der sympathischen Loser auf Netflix.

Warum mögen wir Loser?

 Unserer Vorliebe für Verlierer*innen lässt sich auch psychologisch erklären:

  • Mitgefühl: Als Menschen haben wir oft Mitgefühl für diejenigen, die verlieren oder in Schwierigkeiten sind. Wir können uns in ihre Lage versetzen und fühlen Sympathie für ihre Herausforderungen. Deshalb identifizieren wir uns mit ihnen.
  • Authentizität: Verlierer*innen werden oft als authentischer und ehrlicher angesehen als Gewinner*innen. Wir fühlen uns zu denjenigen hingezogen, die ihre Fehler und Niederlagen zugeben und offen über ihre Schwächen sprechen.
  • Inspiration und Hoffnung: Verlierer*innen können inspirierend sein, da ihre Geschichten von Aufstieg und Widerstand erzählen. Ihre Erfahrungen können Hoffnung und Motivation bieten, insbesondere wenn sie sich trotz aller Hindernisse bemühen und weiterkämpfen.
  • Gleichheit: Verlierer*innen werden oft als weniger bedrohlich wahrgenommen als Gewinner*innen, da sie scheinbar weniger Macht oder Einfluss haben. Man ist mit ihnen auf Augenhöhe und spürt eine gewisse Verbundenheit.
  • Kulturelle Einflüsse: In einigen Kulturen werden Verlierer*innen und Underdogs romantisiert und als Symbole des Widerstands gegenüber einer ungerechten Gesellschaft betrachtet. Diese Vorliebe kann von literarischen Werken, Filmen oder historischen Ereignissen geprägt sein, die den Triumph der Unterdrückten über die Mächtigen darstellen.

Das Schlusswort gebührt einem großartigen Verlierertypen, Arthur Spooner (Jerry Stiller) aus der Sitcom King of Queens: „Douglas, ich erzähl dir jetzt mal was über Verlierer. Ich glaube, die Verlierer sind die wahren Gewinner.“ Doug: „Und was sind dann die Gewinner?“ Arthur: „Die bleiben Gewinner. Den Titel kannst du ihnen nicht nehmen, schließlich haben sie ja mal gewonnen.“

Hier die Netflix-Watchlist der liebenswerten Loser:

Ferry Bouman (Frank Lammers) in Undercover und dem Film-Spinoff Ferry

Der Möchtegern-Drogenkönig Ferry lebt auf einem Campingplatz und changiert zwischen charismatisch und skrupellos. Modisch überzeugt Ferry mit einem gewagten Mix aus Hawaiihemd und Ballonseide. Obwohl er brutal vorgeht, ist die Zuschauer*innen auch auf seiner Seite, weil er sich schlawinerhaft und schlitzohrig durchmogelt. Ein belgischer Tony Soprano im Westentaschenformat und ein Stehaufmännchen par excellence.

Zitat: „Wer mich bescheißt, kriegt ein Problem. Und der Mann, der die Probleme löst, bin ich.“

Saul Goodman (Bob Odenkirk) in Breaking Bad und der Spinoff-Serie Better Call Saul

Saul ist der Inbegriff des windigen Anwalts. Er ist darauf spezialisiert, Kriminellen zu helfen, sich vor dem Gesetz zu schützen und sich selbst aus schwierigen Situationen herauszuwinden. Ethische Grenzen überschreitet Saul ständig, fragwürdige Praktiken sind sein Handwerkszeug. Neben seinen unkonventionellen Methoden hat Saul aber auch einen messerscharfen Verstand. Und er kommt aus besserem Hause als die meisten seiner Klient*innen, er hat also ein Geheimnis, das erst mit der Zeit entblättert wird.

Zitat: „Ich sehe aus wie ein junger Paul Newman, verkleidet als Matlock.”

Sandra (Kaliko Kauahi) in Superstore

Die Sitcom um den Alltag der Angestellten des Supermarkts CLOUD9 in St. Louis strotzt vor Verlierertypen. Besonders der unsichere Pechvogel Sandra nervt und rührt gleichermaßen, auch weil sie von allen anderen Charakteren permanent schlecht behandelt wird.

Die von Kaliko Kauahi verkörperte Figur war anfangs nur als Nebenrolle geplant, spielte sich aber von Staffel zu Staffel immer mehr in den Vordergrund.

Zitat: „Die Sache ist die: Ich bin nicht besser als die Arbeit. Ich bin ein Schattenmensch, und ich mag das!“

Johnny Lawrence (William Zabka) in Cobra Kai

Vom arschig-angeberischen Antagonisten in den Karate Kid-Filmen zum Protagonisten in der Netflix-Serie Cobra Kai – diese erstaunliche Metamorphose durchlebte der Charakter Johnny Lawrence. Und zeigt allein dadurch, dass das Publikum es schätzt, wenn jemand so richtig auf die Fresse fällt, aber immer wieder aufsteht.

Zitat: „Wenn ich besonders hart zu dir bin, dann nur, weil du das Potenzial hast, besser zu sein, als ich es je war. Das willst du doch, oder?“

Seong Gi-hun (Lee Jung-jae) in Squid Game

Wirklich tragisch und gebrochen ist die Figur des Seong Gi-hun. Obwohl er ein freundlicher und fürsorglicher Mensch ist, hat er als Vater und Sohn versagt. Bei den grausamen Spielen auf Leben und Tod steht ihm seine Menschlichkeit oft im Weg – er hilft den anderen, schenkt ihnen Schutz oder Trost.

Zitat: „Man vertraut den Menschen nicht, weil sie vertrauenswürdig sind. Man tut es, weil man sonst nichts hat, worauf man sich verlassen kann.“

Devi Vishwakumar (Maitreyi Ramakrishnan) in Noch nie in meinem Leben…

Devi ist eine strebsame, sechzehnjährige indisch-amerikanische, High-School-Zweitklässlerin mit einer kurzen Zündschnur, die sie in schwierige Situationen bringt. Sie ist jähzornig, irrational und dennoch liebenswert, sorgt Devi sich doch um ihre Familie und Freund*innen. Zudem ist sie bereit, aus ihren Fehlern zu lernen und dafür zu sorgen, dass sie nie wieder jemanden auf dieselbe Weise verletzt.

Zitat: „Halte deine Nase einfach aus meinen Angelegenheiten heraus und stecke sie dem Lehrer in den Hintern, wo sie normalerweise ist.“

Jesse Pinkman (Aaron Paul) in Breaking Bad

Jesse ist bekannt für sein impulsives Verhalten und seinen rebellischen Charakter. Er hat mit Drogenmissbrauch und persönlichen Problemen zu kämpfen und will lieber Spaß haben und high sein, als organisiert und diszipliniert den Drogenmarkt zu übernehmen, so wie sein Ex-Chemie-Lehrer Walter White Im Laufe der Serie lernt Jesse ausgerechnet durch das Drogengeschäft, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen.

Zitat: „Was nützt es, ein Gangster zu sein, wenn man da auch bloß wieder Verantwortung hat?“

Britta Perry (Gillian Jacobs) in Community

Britta ist gefürchtet für ihren nerdigen Aktivismus und ihre politische Korrektheit. Sie ist Teil der Studiengruppe, die sich im Laufe der Serie entwickelt und enge Freundschaften aufbaut. Obwohl sie manchmal als naiv oder ungeschickt dargestellt wird, zeigt Britta auch Stärke und Intelligenz in verschiedenen Situationen. Und man ist trotz aller Peinlichkeiten auf ihrer Seite, weil sie stets für das Gute eintritt und sich nicht unterkriegen lässt.

Zitat: „Wenn ich die Regierung in meiner Gebärmutter haben wollte, würde ich sie mit Öl und hispanischen Wählern füllen.“

Netflixwoche Redaktion