Die fünf unglaublichsten Momente hinter den Kulissen von „We Are the World“

Wer hat geweint, wer hat seinen Song vermasselt, wer hat die Stimmung gerettet? Für die Aufnahme von „We Are the World“ trafen die größten Musikstars ihrer Zeit aufeinander. Die Doku The Greatest Night in Pop wirft einen persönlichen und ehrlichen Blick auf die Entstehungsgeschichte.

„Um 7 Uhr morgens waren wir eine Familie“, erzählt Lionel Richie. Er ist einer der Produzenten von The Greatest Night in Pop. Über 40 der größten Pop-und Rockstars kamen am 28. Januar 1985 in einem Studio in Hollywood zusammen, um den von Michael Jackson und Lionel Richie geschriebenen Song „We Are the World“ zugunsten humanitärer Hilfe für Afrika einzuspielen.

Bei seiner Veröffentlichung wurde er schnell zur ersten Single, die mit Mehrfach-Platin ausgezeichnet wurde. Der von dem legendären Quincy Jones produzierte Song enthält Soli von 21 Künstlern. Unter anderem dabei waren: Bob Dylan, Michael Jackson, Lionel Richie, Diana Ross, Cyndi Lauper, Bruce Springsteen, Stevie Wonder, Ray Charles, Kenny Rogers, Tina Turner, Paul Simon, Billy Joel, Willie Nelson und Dionne Warwick. Heute gilt der Song als Klassiker.

In The Greatest Night in Pop wird die Vor- und Entstehungsgeschichte von den Menschen erzählt, die daran beteiligt waren. Neben den Künstler*innen kommen auch Kameraleute und Techniker*innen zu Wort. Und trotz der Popularität des Songs gibt es immer noch Geschichten, die kaum jemand kennt.

Hier sind die fünf der unglaublichsten Momente des Films.

1. Michael Jacksons Haustiere hinterließen einen bleibenden Eindruck bei Lionel Richie

Lionel Richie und Michael Jackson kannten sich schon lange: Sie waren früher beide beim Plattenlabel Motown und Richie war mit den Commodores Vorband der Jackson 5. Aber als sie gemeinsam den Song „We Are the World“ schreiben sollten, besuchte Richie zum ersten Mal Michaels Haus.

„Es war farbenfroh“, erzählt Richie. Er erinnert sich, dass Jackson ihn ermutigte, sich mit seinem Schimpansen Bubbles anzufreunden, während in einem anderen Raum ein Vogel und ein Hund unaufhörlich krächzten und bellten.

Bei einer Sitzung wurden die Songschreiber von einem anderen Mitglied von Jacksons Menagerie unterbrochen: „Aus dem Augenwinkel sehe ich, wie einige Alben umfallen“, erzählt Richie im Film. Der Übeltäter? Michaels Haustier-Python.

Jackson, der die Schlange schon vermisst hatte, war froh, dass sie anscheinend durch die süßen Melodien aus ihrem Versteck gelockt wurde. Richie dachte nur: „Ich muss hier schnell weg!“

The Greatest Night In Pop: Lionel Richie und Cyndi Lauper bei den Aufnahmen zu We Are The World.

2. Das Solo von Huey Lewis war ursprünglich für Prince gedacht

Die Produzenten waren unsicher, ob Prince kommen würde. Sie reservierten ihm ein Solo direkt nach Michael Jackson, seinem Rivalen in den Pop-Charts.

Im Laufe des Abends wurde jedoch klar, dass Prince nicht auftauchen würde. Man brauchte einen anderen Solisten; Kenny Loggins schlug Lewis vor. „Das sind ziemlich große Schuhe, die man ausfüllen muss“, sagt Lewis im Film über sein Solo, das eigentlich für Prince gedacht war. „Es war nur eine Zeile – aber meine Beine haben buchstäblich gezittert.“

Huey Lewis und Michael Jackson. Lewis übernahm den Gesangspart von Prince.

3. Nicht alle blieben für die ganze Session

Als Stevie Wonder mitten in den Aufnahmen vorschlug, dem Text einen Abschnitt auf Swahili hinzuzufügen, waren nicht alle an Bord. Inmitten der darauf folgenden Debatte stieg ein Mitglied des Chors aus.

„Da haben wir Waylon Jennings verloren“, sagt Richie im Dokumentarfilm. Ken Woo, der die Aufnahmesession filmen sollte, erinnert sich, wie er Jennings sagen hörte: „Nun, kein good old Boy hat jemals Swahili gesungen. Ich glaube, ich bin weg.“

Als die Stunden verstrichen, begann auch Sheila E. sich von dem Projekt desillusioniert zu fühlen. Ihr war gesagt worden, dass sie einen Soloauftritt haben würde. Aber als ihre Zeit am Mikrofon immer wieder verschoben wurde, begann sie zu vermuten, dass sie nur eingeladen worden war, um Prince zu ködern.

„Es wurde spät und ich freute mich darauf, eine der Strophen zu singen. Aber sie fragten immer wieder: ‚Glaubst du, dass du Prince hierher bringen kannst?‘“, sagt Sheila E. in der Doku. „Sie hatten nie vor, mich eine Strophe singen zu lassen.“

Sie beschloss, das Studio zu verlassen. „Sheila E. hat uns gesagt, dass sie bisher nie öffentlich darüber gesprochen hat“, erzählt Nguyen Tudum. „Gleichzeitig hat sie es nicht bereut, an dem Projekt beteiligt gewesen zu sein.“

Stevie Wonder (hier mit Dionne Warwick) war einer der Antreiber bei den Aufnahmen.

4. Stevie Wonder wurde von MIA (Missing in Action) zum MVP (Most Valuable Player)

Ursprünglich hatte Richie gehofft, dass Wonder beim Schreiben des Songs helfen würde. Als mehrere Anrufe unbeantwortet blieben, wurde das Projekt ohne ihn fortgesetzt. Als Wonder sich schließlich Wochen später meldete, war der Song bereits geschrieben.

Doch obwohl Wonder den Songwriting-Prozess verpasste, trug seine Anwesenheit im Aufnahmestudio dazu bei, dass die Zusammenarbeit zwischen den Superstar-Egos im Raum recht reibungslos verlief. Als es für die einzelnen Künstler*innen an der Zeit war, vor der Gruppe aufzutreten, nahm Wonder – vielleicht, weil er die nervöse Energie im Raum spürte – die Situation auf die leichte Schulter.

„Stevie hat es vermasselt – spielerisch, wie es nur Stevie kann“, sagt Huey Lewis über den ersten Solo-Versuch der Legende. „Irgendwie mit Absicht.“ Der Patzer brachte eine dringend benötigte Prise Leichtigkeit in die Situation.

Auch an anderer Stelle half Stevie Wonder. „Eine meiner Lieblingsszenen ist, wie er Bob Dylan beisprang“, sagt Nguyen. „Das war so eine herzerwärmende Szene.“ Als Dylan ans Mikrofon gerufen wurde, um den Refrain zu singen, hatte er Mühe, die richtigen Töne zu treffen. Bis Wonder sich ans Klavier setzte und dabei eine perfekte Dylan-Imitation ablieferte. Die improvisierte Darbietung brachte Dylan zum Lächeln und gab ihm die Anleitung, die er für sein Solo brauchte.

Michael Jackson und Bob Dylan - vielleicht die beiden Allergrößten unter vielen Superstars in The Greatest Night Of Pop.

5. Diana Ross war die letzte, die nach Hause ging

Die Aufnahme von „We Are the World“ begann, kurz nachdem Richie die Verleihung der American Music Awards an diesem Abend moderiert hatte, und dauerte, um es mit den Worten eines seiner größten Hits zu sagen, „All Night Long“. Als die erschöpften Teilnehmer*innen das Studio verließen, bemerkte Bahler, dass Diana Ross zu weinen begonnen hatte.

„Quincy sagte: ‚Diana, geht es dir gut?‘ und sie sagte: ‚Ich will nicht, dass es vorbei ist‘“, erinnert er sich in der Dokumentation. „Es war das Süßeste, was ich je gehört habe.“

Quincy Jones war der von allen respektierte Produzent - hier mit den Legenden Willie Nelson (lks) und Bruce Springsteen.

VON ROXANNE FEQUIERE, TUDUM