Die wahre Geschichte des meistgehassten Mannes im Internet

Triggerwarnung: In diesem Text geht es um sexualisierte Gewalt.

Stell Dir vor, Du wachst morgens auf, drehst Dich zu Deinem Nachttisch, greifst nach Deinem Smartphone und siehst auf dem Bildschirm: 200 Benachrichtigungen. Von dutzenden Bekannten. Bist du okay? Wurdest du gehackt? Warum bist du auf dieser Website? Und ein Link: IsAnyoneUp.com.

Klickst Du drauf?

So oder so ähnlich erging es den Frauen und Männern, deren Fotos ungefragt von Exfreund*innen oder Affären auf der Revenge Porn Website IsAnyoneUp.com hochgeladen wurden. Aus Rache. Aus Häme. Aus Voyeurismus.

Einen Mann hat das Geschäft reich und berühmt gemacht. Er wurde zum Star in der Szene: Hunter Moore, der Gründer der Website. Ein selbst ernannter „professional life ruiner“, der Menschen zu hassen scheint, und dann selbst zum meist gehassten Mann des Internets wurde.  Denn gegen die Schutzinstinkte einer Mutter konnte er mit seiner Armee der Mobber nicht ankommen.

Die dreiteilige True-Crime-Reihe Der meistgehasste Mann im Internet (von den Macher*innen von Don’t F**k With Cats) erzählt die Geschichte des Kampfes von Charlotte Laws und ihrer Tochter, um deren intime Fotos von der Pornowebsite zu entfernen und sich am Rachekönig zu rächen. Gemeinsam mit weiteren Opfern bringen sie Hunter Moore und sein dreckiges Geschäft zum Fall.

So begann das Geschäft mit den Rachepornos

Als Hunter Moore im Jahr 2010 seine Website eher durch einen Zufall ins Leben rief, waren Rachepornos im Internet noch kein Phänomen. Die Domain hatte er sich ursprünglich für einen Partyservice zugelegt. Doch nachdem er dort ein Nacktfoto einer seiner Ex-Freundinnen postete und den Link an Freunde weiterleitete, die wiederum ihre eigenen Fotos darauf stellten, wurde die Seite nach einer Woche bereits 14,000 mal aufgerufen.  Rache wurde zu seinem Geschäftsmodell.

Das Prinzip des Revenge Porn ist so simpel wie abstoßend: Private Bilder, die während einer Beziehung entstanden sind, werden später von einem der Partner*innen veröffentlicht. Auch auf IsAnyoneUp.com konnten Männer und Frauen private Fotos ihrer Verflossenen hochladen – ohne deren Einverständnis, ohne deren Wissen. Dafür aber mit vollem Namen, Beruf, Social-Media-Profil und Wohnort. Es dauerte also nie lange, bis die Bilder der Personen unter deren Namen auch in Suchmaschinen wie Google auftauchten. Und die Leben der Opfer zerstörten.

„Ich habe getan, was jede Mutter tun würde. Ich habe mein Kind verteidigt“, erzählt Charlotte Lawsin der Doku. „Junge Menschen, vor allem Mädchen, nehmen sich wegen Rachepornos das Leben.“

Wer ist Hunter Moore?

Rundliches Gesicht, Dreitagebart, schwarze Gelfrisur, silberne Kette, die Brust voller Tätowierungen: Als der damals erst Mitte Zwanzigjährige seine Pornowebsite ins Leben rief, sah er eigentlich eher aus, als würde er in einer schlechten Emo-Band Bass spielen. Doch Moore selbst sah sich immer als Geschäftsmann.

In der achten Klasse, kurz nachdem er nicht nur seine Jungfräulichkeit verlor, sondern auch von der christlichen Schule geworfen wurde, gründete er eine T-Shirt-Firma. Kurz darauf einen lokalen Partyservice. Einen Abschluss machte er nicht.

Als er 18 wurde, wurde sein Lebensstil dubioser: Er arbeitete als Hairstylist für eine Fetisch-Porno-Website, bekam seine erste Anzeige wegen sexueller Belästigung und ging für ein Jahr zum Party machen nach Australien, bekam dann die Krätze und gründete wieder zu Hause in Sacramento sein eigenes Sex-Party-Unternehmen. Kurz danach rief er die Revenge-Porno-Website ins Leben, mit der er in manchen Monaten mehr als 30,000 Dollar verdiente.

16 Monate war die Seite online – bis eine Mutter eingriff

Auf Bitten von Betroffenen, ihre Bilder doch bitte von seiner Seite zu nehmen, antwortete Moore manchmal bloß mit einen „LOL“.

Moore war nicht nur skrupellos, sondern hatte auch keine Angst vor Bestrafung. Racheporno-Seiten waren damals noch vollkommen unreguliert. Weil die Bilder auf der Seite als „User Generated Content“ galten, konnte Moore als Inhaber dafür nicht belangt werden.

Erst als Charlotte Laws, die Mutter eines Opfers, eigenständig recherchierte, mit weiteren Betroffenen sprach und letztendlich Information an das FBI lieferte, gelang es, Moore zu stoppen – wie, das erzählen Charlotte Laws und ihre Verbündeten am besten selbst. Der meistgehasste Mann im Internet ist ab jetzt auf Netflix zu sehen.

Netflixwoche Redaktion