Die zehn dümmsten Entscheidungen von Figuren in Horrorfilmen

1. The Ritual (2018): Ich kenn’ da ’ne Abkürzung …

Vier Freunde gehen in Schweden wandern. Doch plötzlich stolpert einer und zerrt sich das Knie. Das wäre die Chance für die Männer in The Ritual gewesen, umzukehren. Die Wanderung geht aber nach kurzer Diskussion weiter. Und einer von ihnen hat sogar noch eine bessere Idee: eine Abkürzung nehmen. Durch das Gehölz. Denn das geht angeblich doppelt so schnell.

Fans von Horrorfilmen wissen, wo angebliche Abkürzungen in jedem Fall nicht hinführen: zum Ziel. Kein Wunder also, dass die Männer in The Ritual statt im Hotel in den Armen einer mörderischen Sekte landen.

2. The Conjuring: Was ist mit dem Hund los?

In The Conjuring zieht die Familie Perron in ein Farmhaus in Rhode Island. Die Familienhündin Sadie benimmt sich sofort komisch. Sie weigert sich, die Türschwelle zu übertreten. Ein paar Tage später liegt sie tot im Hof.

Nicht nur das: Die Kinder finden eine mit Brettern vernagelte Tür im Keller und alle Uhren im Haus sind um 3:07 Uhr stehengeblieben. Die Perrons hätten schon nach den ersten Zeichen schreiend wegrennen müssen. Gelernt: Hört auf eure Haustiere!

3. Saw (2004): Das hilfreiche Werkzeug

Wer kennt sie nicht: Situationen, die so stressig sind, dass man nicht klar denken kann. Gerade die Saw-Reihe ist dafür bekannt, dass Menschen darin unter Zeitdruck grausame Rätsel lösen müssen. Wie sich Dr. Lawrence Gordon allerdings im ersten Teil rettet, ist ziemlich bescheuert.

Gordon ist mit einer Fußfessel an die Wand gekettet. Das Handy, über das er mit seiner Familie kommuniziert, liegt außer Reichweite. Gordon sägt sich also den eigenen Fuß mit einer Säge ab. Allerdings: So weit liegt das Handy gar nicht entfernt. Man hätte es schon erreichen können. Hätte man nur irgendeine Art Werkzeug, um es damit heranzuziehen… eine Säge zum Beispiel.

4. Texas Chainsaw Massacre (2022): Die Gentrifizierung der Mörderstadt

Im ersten Film der Texas Chainsaw Massacre-Reihe von 1974 sind die schlechten Entscheidungen noch auf Anfänger-Niveau: Da nimmt eine Reisegruppe aus jungen Leute mal einen gruseligen Tramper mit und ein Pärchen sucht einen abgelegenen Ort, um Sex zu haben. Die dumme Idee ihrer Nachfolger*innen in Texas Chainsaw Massacre nimmt größere Dimensionen an.

Fast 50 Jahre nach den Ereignissen des ersten Films fährt eine Gruppe von Influencer mit Entrepreneur-Mindset in die Geisterstadt Harlow. Sie wollen das texanische Hinterland zum Paradies für junge Städter*innen gentrifizieren. Dass in der Nähe bekannterweise unzählige Teenager von einem nie gefassten Serienkiller ermordet wurden, bremst ihren Start-Up-Geist nicht. Aber einem gewissen Bewohner mit Ledermaske gefällt ihr Plan nicht so gut.

5. Das Zeichen des Teufels (2020): Die Dämonenbuch-Vorlesestunde

Wenn den Figuren in Horrorfilmen eines fehlt, dann ist es wohl das: Instinkt. In Das Zeichen des Teufels taucht ein Buch auf: Das Leder ist zerfetzt, innen sind verstörende Zeichnungen von Dämonen, Hexersymbolen und fremdartige Schriften. Das Buch gerät in die Hände einer Linguistin, die es zuhause im Schrank verschließt.

Vor ihren Teenager-Töchtern Camila und Fernanda ist es trotzdem nicht sicher. Das Buch erinnert die Mädchen an H.P. Lovecrafts Necronomicon. Entgegen jedem menschlichen Instinkt tun sie das, was man nie mit einem alten Dämonenbuch tun sollte: laut daraus vorlesen. Dass Camila wenig später fließend Latein spricht, wenn sie wütend ist, sollte dann auch niemanden mehr wundern.

6. Zombieland (2009): Ein bisschen Spaß muss sein

In Zombieland gibt sich Hauptcharakter Columbus größte Mühe, nicht durch dumme Entscheidungen draufzugehen. Dafür stellt er sogar eine Liste von Regeln auf, die das Überleben in der Zombie-Pandemie sichern sollen. Regel 10 lautet: „Sei leise!“ Sonst endest du als Happy Meal.

Die Schwestern Wichita (Emma Stone) und Little Rock sind eigentlich gut darin, die Regeln zu befolgen. Deshalb gehören sie zu den Überlebenden der ersten Zombiewelle. Der Vergnügungspark Pacific Playland soll ihre neue Festung werden. Die Reise dorthin ist aber zäh und entbehrungsreich, da wollen die beiden etwas Spaß haben. Wichita schaltet alle Fahrgeschäfte an. Die blinken und dröhnen los – und locken alle Zombies in einem Umkreis von zehn Kilometern an.

7. Incantation (2022): Der verbotene Tunnel

Im Horrorfilm Incantation filmen drei Vlogger heimlich die Sekte Chen-Clan bei einem Menschenopfer. Glücklicherweise werden sie dabei nicht gesehen. Auf dem Rückweg finden sie einen dunklen Eingang am Ende des entlegenen Dorfes. Einer der Vlogger weiß: „Das ist wohl der Tunnel, den man nicht betreten darf.“

Doch dann: ein Wimmern aus der dunklen Tiefe. Was tun die Vlogger also entgegen ihres besseren Wissens? Richtig. Den Tunnel betreten, den man nicht betreten darf. Dass das tödlich ausgeht, muss nicht gesagt werden.

8. Verónica (2017): Hallo, wer ist da?

1991: Verónica ist 15 Jahre alt und ihr Vater ist vor Kurzem gestorben. Während einer Sonnenfinsternis halten Verónica und ihre Freundinnen eine Séance im Keller ihrer katholischen Schule ab. Eigentlich hätten sie längst lernen müssen, dass man nie über ein Ouija-Brett mit Toten in Kontakt treten sollte. Wer weiß schon, ob am anderen Ende der Leitung wirklich der verstorbene Vater ist, oder ein anderes Wesen, das darauf wartet, freigelassen zu werden.

Von da an verfolgt ein böser Dämon Verónica und ihre kleinen Geschwister. Und nun? Ausgerechnet eine zweite Séance soll alles in Ordnung bringen. Profi-Überlebenstipp: Von vornherein kein Ouija-Brett im Internet bestellen!

9. Das Spiel (2017): Safer Sex, bitte!

Es ist schwer zu sagen, wann in Das Spiel die schlechte Entscheidung getroffen wird, die zum Verderben führt. Beginnt das Unheil schon mit dem Versuch, eine Ehe ohne Vertrauen durch sexuelle Experimente wiederzubeleben? Liegt das Problem darin, dass zwei Amateur*innen versuchen, BDSM ohne Sicherheitskonzept zu praktizieren? Sollte man vielleicht lieber kein Viagra nehmen, wenn man Herzprobleme hat? Vor allem dann nicht, wenn die Ehefrau mit beiden Armen ans Bett gefesselt ist und keinen Krankenwagen rufen kann? Und hätte man in der Retrospektive die Fronttür des einsamen Seehauses vielleicht nicht sperrangelweit offen lassen sollen? Es ist schwer zu sagen.

10. The Perfection (2019): Der Vertrauensvorschuss

Seine persönlichen Held*innen zu treffen, ist oft enttäuschend. Realität und Wunschvorstellung liegen oft weit auseinander. Was Lizzie in The Perfection bei ihrer Begegnung mit Charlotte passiert, ist deutlich schlimmer.

Lizzie ist eine erfolgreiche Cellistin. Vor zehn Jahren hat sie Charlottes Platz am Konservatorium bekommen, weil die ihren Traum aufgeben musste, um ihre kranke Mutter zu pflegen. Lizzie bewundert Charlotte. Als sie sich treffen, verstehen sie sich gut und verbringen einen feuchtfröhlichen Abend zusammen. Am nächsten Tag geht es Lizzie schlecht. Sehr schlecht. Sie denkt, Insekten krabbeln unter ihrer Haut. Vielleicht hätte sie keine „Kopfschmerztablette“ von einer Frau annehmen sollen, deren Platz auf der Karriereleiter sie übernommen hat.

Emeli Glaser, Netflixwoche